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Geschichte der Gemeinde Lohfelden

 

Im Jahr 1019 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Kloster Kaufungen das Dorf ”Volmarshusun”. 83 Jahre später - 1102 - übergab Werner III., Vogt des Klosters Kaufungen, der Äbtissin Dimuda in Kaufungen eine Hufe Land in ”Oggozenshusun” und zwei Hufen Land im ”Crumbelbach”.
Mit dieser urkundlichen Erklärung tauchen die heutigen Ortsteile von Lohfelden als Dörfer erstmalig aus dem Dunkel der Vergangenheit auf. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte änderte sich jedoch mehrmals die Schreibweise der Namen bis zu dem heutigen ”Crumbach”, ”Ochshausen” und „Vollmarshausen”.
Zwar entwickelten sich diese Dörfer unabhängig voneinander, doch zeigt sich eine recht große Verbundenheit. So bekundet das Schöppenregister von 1539, dass diese drei Orte einen gemeinsamen Schöppenstuhl bildeten. Der Schöppengrebe - zuständig für Verwaltung, Polizeiangelegenheiten und Gerichtsbarkeit - hatte damals seinen Sitz in Vollmarshausen. Auch kirchlich gehörten Crumbach, Ochshausen, Vollmarshausen und zeitweise auch Wellerode zu einem Kirchspiel. Im Jahr 1534 zählte man in Crumbach 31, in Ochshausen 18 und in Vollmarshausen 54 Familien. Im Vergleich dazu sind es heute rund 5.800 Haushalte.
Verkehrsmäßig lagen die heutigen Ortsteile an Fernverbindungswegen: der Spangenberger (Schuster-) Pfad bildete eine wesentliche Verbindung zwischen der Stadt Kassel und Spangenberg. Der „Breite Weg“ führte zu den Salzsiedern in Sooden-Allendorf.
In der alten Fronmühle, die erstmals 1308 urkundlich erwähnt wurde, fertigte der Müller Jost Lagemann die als ”Hessen-Casseler-Müllerbüchsen” weit über die Grenzen Vollmarshausens hinaus bekannten Feuerwaffen. Der 30jährige Krieg hinterließ in den drei Lohfeldener Altdörfern Spuren.
Nach den schweren Zeiten dieses Krieges kehrte etwas Ruhe ein. Landgraf Karl ließ im Jahr 1680 ein Verzeichnis aller Gewässer mit Forellen und Krebsen erstellen. Aus dieser Zusammenstellung können wir heute entnehmen, dass der Wahlebach in Ochshausen „obenhinaus etwas Forellen enthalte, unten hinaus vor allem Krebse und Grundeln”.
Nach Frieden und Aufbau kamen wieder die Schatten. Der Siebenjährige Krieg schonte auch unsere Dörfer nicht. 1761 z.B. führten die Franzosen die gesamten Viehherden fort. Kurz nur war die Erholung bis zu den Jahren 1770/71. Schwere Missernten ließen große Not entstehen, so dass der Landgraf sogar die von alters her gefeierten Kirchweihen verbot.
Mit der Einbeziehung in das Königreich Westfalen unter König ”Lustik” (Jérôme) im Jahr 1807 endete auch die Amtszeit der bisherigen Greben (Bürgermeister) dieser drei Orte. An ihre Stelle traten sog. „Untermaire”, die alle Gemeindeangelegenheiten zu erledigen hatten. Als jedoch 1813 die Kosaken unter ihrem Führer Tschernitscheff nahten, zogen sich die Franzosen zurück. Die Kosaken biwakierten in der Söhre und wurden wegen ihres fremdartigen und kriegerischen Aussehens von den Einwohnern der umliegenden Dörfer bestaunt und gefürchtet. Das wieder eingeführte Amt des Greben (Bürgermeisters) war sehr schlecht bezahlt. Von seinen Amtsbezügen hätte er nicht leben können, ohne Haus und Hof zu besitzen. Im Jahr 1835 erhielt der Grebe von Crumbach 21 Thaler (12 Thaler in bar, für Schreibmaterial 4 Thaler sowie einen Klafter Holz im Wert von 5 Thalern).
Auf dem Gebiete der Brandbekämpfung verbanden sich schon recht früh die heutigen Altdörfer. Im Jahr 1855 wurde eine mechanische Handpumpenspritze gemeinsam von Bergshausen, Crumbach, Ochshausen und Vollmarshausen angeschafft und in Crumbach stationiert. Sie befindet sich heute im Kutschenmuseum Lohfelden. Nach der Einführung der Standesämter bildeten Crumbach, Ochshausen und Vollmarshausen ab 1874 zunächst einen Standesamtsbezirk, der seinen Sitz in Crumbach hatte. Durch die erste ”Gebietsreform” im Landkreis Kassel entstand am 1. Juni 1941 aus den Orten Crumbach und Ochshausen, die durch den Bau einer Siedlung verbunden wurden, der heutige Ort ”Lohfelden”. der Name stammt aus der alten Flurbezeichnung „Im Lohfeld”.
Lohfelden und Vollmarshausen entwickelten sich nun parallel im Verlauf von fast 30 Jahren zu Gemeinden mit mehreren tausend Einwohnern. Zu dieser Bevölkerungszunahme trugen die nach dem 2. Weltkrieg hier eintreffenden Heimatvertriebenen und Evakuierten nicht unerheblich bei.
Am 1. Dezember 1970 vereinten sich Lohfelden und Vollmarshausen zur neuen Großgemeinde „Lohfelden” mit einem heutigen Einwohnerstand von ca. 14.500 Personen. Nach dem Zusammenschluss realisierte man nach und nach vereinbarte Maßnahmen, so z.B. einen neuen Kindergarten und ein Sportgebäude in Vollmarshausen, einen weiteren neuen Kindergarten in Ochshausen, das Sporthaus im Nordhessen-Stadion, zahlreiche Jugend- und Vereinsräume, den Bau der Gesamtschule mit gymnasialem Zweig durch den Landkreis Kassel und nicht zuletzt das Bürgerhaus mit dem Freizeitsee im Ortszentrum zwischen Lohfelden und Vollmarshausen. Hier wurden durch weitere Wohn- und Geschäftsbebauung einschließlich des neuen Rathauses und eines weiteren Kindergartens die Voraussetzungen für ein räumliches Zusammenwachsen der beiden ehemaligen Gemeinden geschaffen. Lohfelden, das darf mit Fug und Recht behauptet werden, bildet heute organisatorisch und optisch eine gelungene Einheit.