Grabstein von Bürgermeister Paul Althans auf Friedhof Bergstraße umgesetzt

Würdigung am 05.05.

Der Sprecher der Geschichtswerkstatt Herbert Brethauer erläuterte den Anwesenden den Ablauf, von der Idee bis zur Umsetzung, der Versetzung des Grabsteins aus dem Garten des ehemaligen Bürgermeisteramtes im Salzpfad in die Reihe der Politiker auf dem Friedhof Bergstraße. „Sein Werdegang zeigt, dass Paul Althans kein Nazi war“, betonte Herbert Brethauer. Dies zeige sich insbesondere darin, dass er sein Amt im Jahr 1933 verloren habe. Walter Pfaffe von der Geschichtswerkstatt stellte das Leben und Wirken Paul Althans vor. Erste Beigeordnete Bärbel Fehr würdigte sein ehrenamtliches Wirken als Kirchenältester. Paul Althans´ Uhrenkelin Antje Althans erzählte, dass das Andenken an ihren Urgroßvater in der Familie immer präsent gewesen sei, insbesondere da er ein großes Vorbild ihres Großvater Karl Althans gewesen sei. „Unsere Familie ist bis heute stolz seine Integrität, seinen Mut und sein Engagement“, sagte sie und legte einen Blumenstrauß am Grabstein nieder. Bürgermeister Uwe Jäger dankte den Aktiven in der Geschichtswerkstatt für ihren Einsatz. „An Orten wie diesen wird unsere Lohfeldener Geschichte erlebbar“, sagte der Verwaltungschef.

Grabstein mit Inschrift.

Der Grabstein wird durch eine Bronzetafel mit folgenden Daten ergänzt:

Paul Althans
Bürgermeister
1919–1933
1945–1950

Wer war Paul Althans?

Paul Althans wurde am 7. November 1878 in Bergshausen (heute ein Ortsteil von Fuldabrück) geboren. Er erlernte den Beruf des Chirurgischen Instrumentenmachers in Kassel. Bereits im Alter von 17 Jahren schloss er sich der Arbeiterbewegung an.

Durch seine Heirat mit Anna Reuß kam er nach Crumbach. Im Jahr 1903 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) und in der Kommunalpolitik aktiv.

Von 1907 bis zu seiner Wahl als zunächst ehrenamtlicher Bürgermeister im Jahr 1919 war er als Gemeindevertreter in Crumbach tätig. 1920 erfolgte die Wiederwahl, nun als hauptamtlicher Bürgermeister. Im Dezember des Jahres 1932 wurde Paul Althans durch Wahl in seinem Amt bestätigt. Die Amtsstube des Bürgermeisters befand sich, wie damals üblich, in seinem privaten Wohnhaus in der Brückenstraße 6.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 begann für Paul Althans eine schwere Zeit. Die Crumbacher Sturmabteilung (SA) veranstaltete einen „Demonstrationszug“ zu seinem Wohnhaus und misshandelte ihn. Da er es ablehnte, der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) beizutreten, wurde er zunächst ab dem 1. April 1933 zwangsweise beurlaubt und am 28. Oktober 1933 seines Amtes enthoben.

Einige Jahre später wurde Paul Althans, vermutlich von Landrat Dr. Konrad Fischer, in die Verwaltung des Landkreises Kassel geholt. Inwieweit seine Einstellung erfolgte, weil aufgrund des Krieges viele jüngere Männer aus der Kreisverwaltung abgezogen wurden und man deshalb Personal benötigte oder etwa seine Pension eingespart werden sollte, lässt sich nicht mehr feststellen. Bis zum Kriegsende arbeitete er als Sachbearbeiter in der Kreisverwaltung.

Im Mai 1945 wurde Paul Althans von der amerikanischen Militär-Regierung als kommissarischer Bürgermeister wieder eingesetzt. Im März 1946 erfolgte seine Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Lohfelden. Nach zweijähriger Amtszeit wurde er 1948 wiedergewählt. Am 31. März 1950 trat er im Alter von 72 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

In seine Amtszeiten fiel die Einrichtung einer Omnibuslinie zwischen Crumbach und Kassel (1928), übrigens gegen den Widerstand der „Söhrebahn-AG“, die Einrichtung des ersten Crumbacher Kindergartens (1927), die Gründung der Gemeindebücherei (1922) und der Schwesternstation in Zusammenarbeit mit der ev. Kirche. Ferner die Herstellung der Kanalisation an 1927, die im Zuge so genannter Notstandarbeiten erfolgte. Im Juni 1953 wurde ihm in Anerkennung seiner Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Paul Althans als Mann der Kirche

Ab 1947 gehörte er dem Kirchenvorstand Lohfelden an. Er war Kirchenältester und Mitglied des Kreiskirchentages (heute Kreissynode). Während seiner Mitgliedschaft im Kirchenvorstand wurde die Wehrkirche in Crumbach renoviert und deren Glockengeläut vervollständigt. Eine besondere Aufpflasterung am Standort des Gedenksteins zwischen dem öffentlichen und kirchlichen Grundstück schafft heute noch eine Verbindung, wie sie in seinen Interessenschwerpunkten bestand.

Paul Althans starb am 23. Mai 1963 im Alter von 84 Jahren.